Berlin – Photographien

BerlinPünktlich zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in diesem Herbst erscheint das große Berlin-Buch von Gerrit Engel, das der Architekturgeschichte der ganzen Stadt gewidmet ist. In hervorragenden farbigen Aufnahmen, in einheitlichem Stil Photographien, versammelt das Werk die bedeutendsten erhaltenen Bauwerke der Stadt in chronologischer Reihenfolge vom 13. Jahrhundert bis heute. Der Reigen Gerrit Engels beginnt mit einer Photographie des ältesten erhaltenen Bauwerks, der Nikolaikirche, aus dem Jahre 1230 und endet mit einer Aufnahme von David Chipperfields Galeriehaus am Kupfergraben 10 aus dem vergangenen Jahr.

Für sein Buch hat Gerrit Engel einen eigenen photographischen Stil entwickelt, der die frontalen Ansichten der Gebäude wie Gesichter lebender Menschen vorurteilslos einfängt. Die Aufnahmen von Gerrit Engel sind durchweg in Farbe und bei grauem Himmel aufgenommen, so dass die filigrane Formensprache der Berliner Gebäudefassaden nicht durch Schatten des Sonnenlichts verzerrt wird, sondern mit ihrem ganzen Zierrat und ihrer ganzen Pracht, Gebäude für Gebäude, vor das Auge des Betrachters treten. Kirchen, Bürgerhäuser und Villen, Büro- und Geschäftshäuser, Schlösser und Militärbauten, Wohnhäuser und Siedlungen, Industriebauten und Sportanlagen. Alle Kategorien von Gebäuden ziehen, geordnet allein nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung, an dem staunenden Betrachter vorbei.

Natürlich liegt das Hauptaugenmerk auf dem 20. Jahrhundert, das die Stadt beispielhaft für ganz Deutschland in vielfältigsten wie radikalsten politischen Metamorphosen durchschritt – vom Kaiserreich über die Weimarer Republik über den Aufstieg und tiefen Fall des Nazireichs zu den Besatzungszonen, der Spaltung in BRD und DDR, der scheinbar endgültigen Trennung durch Mauerbau und schließlich der glücklichen Wiedervereinigung im Jahre 1989. Wo wären die historischen Spuren dieser gewaltigen und teilweise gewalttätigen Verwandlunger besser abzulesen als an den Mauern der Gebäude Berlins?
Die baugeschichtlichen Kommentare des Architekturhistorikers Detlef Jessen-Klingenberg geben kurze Einführungen in die Geschichte der abgebildeten Gebäude, ihren Entstehungszweck, ihren Baustil und ihre heutige Verwendung.

Stadtpläne am Ende des Buches erleichtern die Auffindung der Gebäude vor Ort und machen Gerrit Engels Buch auch zu einem Architektur-Wanderführer durch das gebaute Berlin.

Der berühmte Berliner Architekt Professor Matthias Sauerbruch hat für das Buch einen einführenden Text geschrieben, in dem er festhält, wie Berlin alle Metamorphosen urbaner Identitäten durchlebt hat, die die jüngere europäische Baugeschichte bereithält.

Gerade im Zusammenhang mit dem 20. Jubiläum des Falls der Mauer und den Erinnerungsfeierlichkeiten im kommenden Herbst kommt dem Buch eine besondere Bedeutung zu, denn es ist die einzige Gesamtdarstellung Berliner Bauwerke aus dem gesamten Großraum Berlin, die es derzeit auf dem Buchmarkt gibt. Das Buch, das gleichzeitig auch in einer französischen und einer englischen Ausgabe erscheint, trägt jedenfalls die Vielfalt und den schöpferischen Reichtum der Generationen von Architekten und Bauherren, die Berlin über die Jahrhunderte gebaut und entwickelt haben, auf überzeugende Weise in die Welt.

Gerrit Engel
Berlin
Photographien
234 Berliner Bauwerke in chronologischer Folge von 1230 bis 2008
mit einer Einleitung von Matthias Sauerbruch
und baugeschichtlichen Kommentaren von Detlef Jessen-Klingenberg
278 Seiten
234 farbige Photographien
ISBN 978-3-8296-0378-2

SCHIRMER/MOSEL VERLAG